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  • Andrea Stadler

Frieden in mir — von der Selbstoptimierung zum JA zu mir selbst

Was wir als Hindernis auf unserem Weg zur Vollkommenheit abwerten, ist in Wahrheit oftmals der Schlüssel zu unserem Leben in Ganzheit — zu unserem urpersönlichen Sein. Ich meine, es ist an der Zeit, aufzuhören damit, an uns herumzukorrigieren und uns einem erstrebenswerten Ideal „entgegenzuoptimieren“. Es gibt nur eine perfekte Version meiner selbst und der nähere ich mich an, indem ich zu mir komme, in mich gehe, nicht von mir weg, irgendwo hin, dort im aussen.


Trauma, Hochsensibilität, Hochsensitivität: Ja, das bin ich, das ist abgespeichert in meinen Zellen und ja, ich habe geforscht, an mir gearbeitet, habe mich ins Dunkle vorgewagt, habe Heilung zugelassen, mich selbst darin und darum herum erkannt. Ich habe mein Leben danach ausgerichtet — etwas anderes schien mir nicht übrigzubleiben und ich erkenne den Schatz, der in all meiner Empfindsamkeit und wie mein Ego meint „Überempfindlichkeit“ steckt. Aber — es ist jetzt die Zeit für Transformation auf eine neue Ebene. Analysieren und daran arbeiten hat sich erschöpft. Es „passt“ nicht mehr zur aktuellen Frequenz, es resoniert nicht mehr. Es gibt nur noch einen Weg und das ist ein Mindshift, ein Perspektivenwechsel. Eigentlich ist es nicht ein Weg, sondern ein „Klicken“ und ein Klicken im Kopf reicht nicht aus, es ist genau genommen ein Reset des gesamten Systems — in den Anfangszustand, den Zustand vor der Programmierung.


Eine unserer mächtigsten Programmierungen ist unser Wertesystem


Positiv oder negativ, richtig oder falsch, gut oder schlecht, erstrebenswert oder verachtenswert und und und. Meist schwarz oder weiss und immer polar, gefangen in der Dualität, sozusagen auch hier. Einteilung in Licht und Schatten. Meine Offenheit und Wendigkeit sind Licht, meine Schlaflosigkeit und meine Empfindlichkeit sind Schatten. Genau hier habe ich mich selbst gefangen gehalten. Meinem eigenen Sein gegenüber habe ich das (Ab-)Werten nicht aufgegeben. Und ich vermute, damit nicht allein zu sein.


Selbstverständlich, längst ist es normal, sich mit den eigenen Schatten zu beschäftigen. Was heisst hier normal? Vielmehr gehört es zum guten Ton, es zeigt, wie wach du bist. Schläfst du, dann schaust du weg oder bist dir noch nicht einmal bewusst, dass es etwas gibt, wo du hinschauen könntest. Bist du am Aufwachen, dann weisst du, dorthin musst du den Scheinwerfer richten, da ist es, wo es sich lohnt, zu graben. Eine ganze Industrie hat sich etabliert, die uns dazu einlädt, uns selbst zu betrachten, uns selbst in die Arme zu nehmen, aber auch hart ins Gericht zu gehen mit uns selbst.

Ja, zweifelsfrei, in diese Schatten einzutauchen ist wichtig, weil heilsam, befreiend, klärend, richtungsweisend. Wir kommen nicht darum herum, wenn wir ein Leben in Gesundheit und Frieden wollen.


Frieden ist eine Entscheidung und bedeutet, Mangeldenken aufzugeben


Wir arbeiten wohl fleissig an uns, sind bereit, Verletzlichkeit und somit schmerzhafte Prozesse zuzulassen, was ich aber meine, bei vielen Menschen zu beobachten und was bei mir definitiv der Fall war, ist, dass wir nicht aufhören damit, unser Wesen zu beurteilen und darauf unsere Optimierungsversuche aufbauen. So erlangen wir keinen Frieden. Frieden ist mehr als momentane Ruhe und Harmonie, es ist Nichtvorhandensein von Kampfenergie. Frieden breitet sich dann aus, wenn wir dem Plan unserer Seele nicht mehr länger im Wege stehen und das geschieht nur dann, wenn wir aufhören damit, Aspekte unseres Codes als vermeintliche Schwächen ausradieren zu wollen. Die Tatsache, dass es meist beim Wollen bleibt, zeigt, dass es nicht möglich ist. Du kannst nicht nicht der sein, der du bist. Alle Versuche in diese Richtung sind Krieg. Hören wir nicht auf damit, kämpfen wir stetig gegen uns an, auch dann, wenn es Kämpfe im Verborgenen sind und nach Aussen hin Friede herrscht.


Geist und System im Widerspruch — oder wenn die Seele andere Bedürfnisse hat als das Ego


Wirklich und bedingungslos zum Wohl meiner Seele leben, bedeutet für mich, ohne Wenn und Aber anzunehmen, wie und wer ich bin. Das heisst auch, anzunehmen, dass ich vieles nicht bin, was ich gerne wäre, in meinem Fall meint das, vieles nicht tun zu können, was ganz „normal“ ist, was „alle“ tun, weil es mein System in Unruhe und Stress versetzt, was sich am deutlichsten und schmerzhaft in Schlaflosigkeit zeigt.

Wenn meine Seele sich nicht darauf verlassen kann, dass mein Kopf (wo mein Ego und Geist ihre Spielchen spielen), zu ihrem Wohle handelt, dann ist das ein Vertrauensmissbrauch. Und wie reagiert man auf so einen Vertrauensbruch? Mit Abstand, mit auf Distanz gehen, damit, die Kontrolle in die eigene Hand zu nehmen und für sich selbst zu sorgen — und genau das ist es, was zu Stress im System führt. Meine Seele fühlt sich unsicher in meinem Körper, sie vertraut meinen Handlungen nicht und ist in konstanter Alarmbereitschaft und nicht selten mehr ausserhalb meines Körpers (auf der Flucht sozusagen) als in ihm drin. Anstatt Einheit und Harmonie herrscht dann Widerspruch und Panik.


Vom Annehmen zum Wertschätzen



Annehmen genügt nicht, zumindest nicht bei mir. Denn dem Annehmen folgt meist ein Aber. Wie heisst es so schön: „Erst musst du annehmen, dann kann es sich verändern.“ Genau das ist die Falle! Wir setzen keinen Punkt nach dem Annehmen, darum setze ich hier eines drauf. Ich nehme nicht nur an, dass ich höchst sensibel und somit für unsere Welt kompliziert und in vielem sehr limitiert bin (ach, diese schönen Wertungen schon wieder), sondern ich erkenne diese Wesenszüge meines Seins als Ausdruck meiner Seele. Es ist Teil ihrer Sprache und es steht mir offen, eine Begeisterung für diese Sprache zu entwickeln und somit mir selbst zu eröffnen, in ganz neue Welten geführt zu werden. Ich versuche also nicht mehr länger, meiner Seele eine Fremdsprache aufzuzwingen, denn das ist wahrlich nicht ihre Aufgabe, sondern ich lerne die Sprache meiner Seele mit all ihren Feinheiten und gebe mich ihrer Führung hin — bedingungslos und mit Freude und im Bewusstsein, dass dem Plan meiner Seele zu folgen der einzige Weg ist, den ich in wahrem Frieden gehen kann.